P e r f e k t i o n i s m u s

 

 

 

Heutzutage wird Perfektionismus als ein sogenanntes „multidimensionales Konstrukt“ angesehen, dass bedeutet es besitzt mehrere Facetten. Perfektionismus ist ein gesundheitliches Thema, was kaum jemand weiß.

„Traditionell wurde der Perfektionismus mit pathologischen Eigenschaften in Zusammenhang gebracht. Diese Ansicht wird u. a. durch einige empirische Befunde belegt, die allerdings auf einem zweidimensionalen Perfektionismus-Modell basierten.

In Patientenstudien wurden erhöhte „Perfektionismus-Werte“ in Zusammenhang mit Depressionen, Zwangsstörungen und Essstörungen gebracht, und Studien mit nichtklinischen Probanden zeigten einen Zusammenhang zwischen hohem Perfektionismus und Stress, depressiven Symptomen, Ängstlichkeit und gestörtem Essverhalten.

Randy O. Frost und Kollegen haben 1990 ein Modell mit sechs Facetten des Perfektionismus herausgearbeitet:

• hohe persönliche Standards,
• Organisiertheit,
• Fehlersensibilität,
• leistungsbezogene Zweifel,
• Erwartung der Eltern und Kritik durch Eltern.“

(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Perfektionismus_(Psychologie)

Ich denke diese kurze Darstellung bringt es eindeutig auf den Punkt. Das Thema „Perfektionismus“ klingt erst mal nicht gesundheitlich.
Gesundheit ist jedoch das Gegenteil von Krankheit. Bedeutet dies jetzt automatisch, dass Perfektionismus krank macht?

Geht es nicht in erster Linie u.a. um das „Perfekt sein wollen“, um „Taten“, „Handlungen“, „Aussehen“, „Charakter“?

Denn wer strebt in der heutigen Zeit, in der „Burn-Out“ und „Schlaganfall“ Gang und Gebe sind, nicht nach dem perfekten Leben?

 

Aber Wer oder Was ist perfekt? Wer verlangt es, dass wir Menschen perfekt sein können, müssen, wollen?

 

„Ein Haus. Ein Boot. Ein Pferd. Macht. Reichtum. Stärke. Gutes Aussehen. Besondere Leistung. Keine Macken. Glanz und Gloria. Kind, Kegel, Anerkennung… was denken wir wirklich über das Phänomen „Perfektionismus“?

Eckstein, Ecktein, alles muss „perfekt sein“?

 

Ich möchte zunächst auf die typischen Anzeichen eines „perfekt wirkenden Menschen“, egal ob Männlein oder Weiblein, eingehen.

Da wären ja so einige „Stereotypen“ die das Klischee eines „ach so perfekten Menschen“ präsentieren:

Der „perfekte Mensch“ hat keine Sorgen und ist überall beliebt. In der Regel wird der „perfekte Mensch“ einerseits ernst genommen, angebetet und ist zugleich der härteste Konkurrent.
Er schaut nicht nur gut aus, sondern lebt ein traumhaftes Leben. So nimmt es die Umwelt wahr.

Der „perfekte Schein“ wird den Mitmenschen also nach Außen hin gezeigt. Es gibt weder Probleme, noch Sorgen. Die Arbeit wird höchst perfekt erledigt und es gibt kein Tabu. Kein Ende. Keine Müdigkeit.

Ist es innerlich jetzt mehr Schein, als Sein? Was geht wirklich innerlich vor, wenn das „Perfekte“ kein Ende nimmt?

Der „perfekte Mensch“ erwartet natürlich auch von seinen Mitmenschen „Perfektion“. Wie sollte es auch anders sein.

Oder? Wer fühlt sich ertappt? Wer ist betroffen? Wer möchte es Jedem Recht machen?

In unserer heutigen Gesellschaft wollen wir alle einzigartig, besonders und unersetzbar sein. Das Voll kommende.

Das Göttliche.

Die Macht haben. Bis hin zur Perfektion?

Der Kaffee wird schließlich nur in dem „perfekten“ Café getrunken mit dem richtigen Ambiente. Einfach perfekt. Zur Mittagszeit rennen alle in das Resteraunt mit der „perfekten“ Auswahl denn nicht jeder isst Fleisch oder Fisch. Nicht jeder ist gleich.

Geschmäcker sind verschieden. So ist die Wahrnehmung des „perfekten“ Lebens also auch verschieden?

Doch streben wir alle wirklich nach Erfolg, dem großen Durchbruch, der perfekten Welt?
Unserer kleinen „perfekten Welt“?

In der Tat, gerade in Europa geht es aktuell um Toleranz und Akzeptanz, Verschiedenartigkeit, um die Balance in allen Lebensbereichen.

 

Wer nicht dazu passt, ist jetzt nicht perfekt? Wird ausgegrenzt oder sogar verstoßen?
In dieser Schnelllebigkeit finden die meisten Menschen sowieso kaum Zeit für sich selbst.
Denn der „perfekte Mensch“ hat Zeit keine Zeit. Und wer sich keine Zeit nimmt, um sich selbst etwas Gutes zu tun,

der hat ein eindeutiges Problem mit sich selbst. Abgesehen vom Perfektionismus.

Die Medien präsentieren das „perfekte Model“, das „perfekte Dinner“ und die „perfekten Handwerker“. Menschen werden Alleskönner. Wir speichern diese Bilder in unseren Köpfen und ahmen dieses „perfekte“ Verhalten nach. Mit welchem Ziel?

Was lebt uns die digitale Welt vor? Was sehen für tagein, tagaus?
Wer nicht perfekt ist, könnte so manche Anerkennung und Freundschaft verlieren. Denn das Bild des „perfekten Lebens“ wollen besonders die Frauen anstreben. Es gibt zahlreiche Vorbilder und schöne Damen die das „perfekte Leben“ führen, oder nicht?
Die Maske dahinter kennen viele Menschen, aber ernst nehmen tun nur die wichtigsten von uns folgende Fakten:

Depression, Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Burn-Out, Zwänge, Essstörungen, chronische Krankheiten.

Laut der Studie von Randy O. Frost und Kollegen ist mir aufgefallen, dass es perfekt scheint, wenn der Mensch sich gut organisiert, hohe Standards erfüllt, Erwartungen seiner Mitmenschen nach geht, aber zugleich Fehler erkennt und sensibel dafür scheint, um Fehler zu vermeiden.
Ja sogar Zweifel sind normal, denn es ist richtig, dass der Mensch sich selbst reflektiert. So fern die Zweifel behoben sind, kann nichts mehr schief gehen- alles ist also perfekt? Glückwunsch.

Die Psychologen Paul L. Hewitt und Gordon L. Flett stellten 1991 ein Drei-Facetten-Modell vor.
Sie unterscheiden drei Arten des Perfektionismus in zwei Stufen:
Die erste Stufe ist die Frage, von welcher Quelle die hohen Ansprüche ausgehen, und die zweite Stufe studiert, an welche Person sie sich richten.

Daraus ergeben sich die drei Arten des Perfektionismus:

• selbstorientierter Perfektionismus,
• sozial vorgeschriebener Perfektionismus und fremdorientierter Perfektionismus.

Die „Angst“ spielt eine sehr zentrale Rolle beim Perfektionismus. Es deutet auf zu viel Stress hin und kann zu gestörten Verhaltensmustern führen.
„Zwänge“, sind wie bereits erwähnt, auf unterschiedlicher Weise nicht ausgeschlossen. Nur so als Beispiel.

Das klingt nicht mehr perfekt?

Denn egal „Warum“ und für „Wen“ sich der Mensch als „perfekt“ darstellen möchte, es bringt viele Sorgen mit sich.
Passt das denn in das „perfekte Bild“? Ergibt es einen Sinn?

In erster Linie kannst du dir den Stress selbst machen. Wie es in dem Drei-Facetten-Modell bereits beschrieben wird:

1. Du selbst bist der Perfektionist.
2. Du hast das Gefühl du musst ein Perfektionist sein (sozialer Kontext).
3. Du erwartest von anderen Menschen, sie sollen perfekt sein.

 

Die Intention des Beitrags lautet u.a., dass wir uns selbst hinterfragen sollten. Die Folgen sind wie bereits geschildert gravierend.

Kaum Jemand nimmt es leider ernst.
„Perfektion“ wird schon im Kleinkindalter gefördert und so manche Eltern streben danach. Das Kind soll „perfekt“ sein. Es wird also in allen Bereichen untersucht und Zeit und Geld wird für Förderung und Bildung investiert. So manche Kinder werden streng und perfektionistisch erzogen. Eltern „perfekt“. Kinder „perfekt“. Familie „perfekt“.
Das Kind reift vom „perfekten“ Schüler zum „perfekten“ Studenten und schließlich zum „perfekten“ Arbeitstier.

Die ersten Grundsteine werden also in der Kindheit gesetzt und als Erwachsener wird die Ernte eingeholt.

Was kannst du also tun?
Darfst du nun nicht mehr an „perfekt“ denken?
Gibt es überhaupt dieses „perfekt“?

Zunächst solltest du dich selbst hinterfragen was „Perfektion“ für dich bedeutet und wie du mehr Gelassenheit in deinen Alltag bringst. Dies ist ein ernstes Thema und sollte gegebenenfalls mit nahestehenden Personen oder einem Therapeuten besprochen werden. Denn die Ursachen und Folgen gehen wie bereits beschrieben in viele psychische Richtungen, die nicht unterschätzt

werden sollten.

Achtsamkeit, Meditation und Ruhe können „Alltags-Helfer“ sein.

Dazu findest du auch tolle Literatur, Internetseiten und den ein oder anderen guten Blog. Meine Empfehlung: momentsfor.me 

 

Wie so oft liegt die Ruhe in der Kraft. Das bedeutet nicht von morgens bis abends die Füße hoch zu legen. Es ist einfach nur wichtig sich selbst „gut“ zu behandeln und nicht zu viel Stress zu erleben. Es gibt Menschen die viel Meditieren oder sich bewusst Zeit für einen Ausgleich nehmen. Das ist schon wichtig. In Ruhe einen Kaffee trinken, oder mal die Zeitung lesen.

Sporteinheiten, Reisen, Atempausen, Massagen, Kochen, Hobbys…

oder einfach mal nur 5 Minuten nehmen zum Gedanken sammeln.

Der entscheidende Punkt ist die Selbsteinschätzung und Wahrnehmung. 

Tust du dir zu viel Stress und Perfektionismus an = tust du dir weh.

 

Perfektionismus ist tatsächlich ein gesundheitliches Thema. Ich hoffe du hast durch den Beitrag eine andere Sichtweise erfahren.
„Perfekt sein“ mag zwar für manche Menschen schön klingen, für viele ist es entweder unmöglich zu erreichen oder krankhaft.

Denn gerade „das Perfekte“ liegt in der Wahrnehmung und in den Gedanken jedes Einzelnen von uns.

Jeder sieht es aus einem anderen Blickwinkel, aber der verursachte Stress ist oder kann derselbe sein. Es ist menschlich zu versagen, Fehler zu machen und nicht das perfekte Bild nach Außen zu tragen. Aber vor allem innerlich sollten wir das „perfekte“ humorvoll sehen und mit ganz viel Leichtigkeit.

 

 

Wie heißt es so schön: „Nobody is perfect“!

Und dass ist auch gut so.

Deine Marcela♥